August 18, 2020

Grundverständnis

Grundverständnis für ein solidarisches Miteinander

Als Anarchist*innen wünschen wir uns, dass jeder Mensch sich frei entfalten kann. Dabei gibt es verschiedene anarchistische Ansätze, zu bestimmen, wie weit die individuelle Freiheit reicht, welche Rolle Privilegien dabei spielen und welchen Wert verbindliche Organisation und Gesellschaftlichkeit dabei haben.

Es gibt nicht den „einen wahren Anarchismus“ und wir wollen den Kongress nicht dazu nutzen, ihn zu finden. Stattdessen wollen wir voneinander lernen, konstruktiv diskutieren und gemeinsame Perspektiven entwickeln. Die gescheiterte Revolte von Kronstadt, deren 100. Jahrestag wir 2021 gedenken, zeigt, was wir auch heute brauchen, in Berlin und überall: Verbindlichkeit, Solidarität und eine Idee wo es hingehen soll.

Denn wir alle träumen von einer befreiten Gesellschaft… Leben tun wir aber im Hier und Jetzt. Damit der Kongress ein möglichst sicherer Raum wird, ist es daher wichtig, dass wir für das eigene Wohlbefinden und das der andern Verantwortung übernehmen. Das bedeutet, einander mit einer offenen und solidarischen Haltung respektvoll zu begegnen. Der Kongress sollte nicht der individuellen Selbstdarstellung dienen, sondern wir wollen miteinander in Kontakt treten, um uns als Bewegung inhaltlich weiterzuentwickeln und zu stärken.

Wir wünschen uns einen inklusiven und diversen Kongress: antirassistische, interkulturelle und queerfeministische Perspektiven sind uns wichtig, sowie jene, die über den Tellerrand der Leistungsgesellschaft blicken. Wir wünschen uns einen Kongress, auf dem wir aufeinander Acht geben, Bezug nehmen und fehlerfreundlich diskutieren. Damit die Diskussionen offen und für viele Menschen zugänglich sind, bitten wir darum, auf krasses Szene-Gehabe zu verzichten und Fachsprache zu erklären. Außerdem wünschen wir uns eine Kultur, die mit Widersprüchen umgehen und kann kritisches Denken ermöglicht.

Übergriffiges und diskriminierendes Verhalten widerspricht jedoch unseren Grundwerten und kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss vom Kongress führen.

Freiheit bedeutet auch Rücksichtnahme und dass wir uns die Freiheitsbedürfnisse anderer bewusst machen und respektieren. In Diskussionen sollen alle zu Wort kommen, das bedeutet, das dominantes Redeverhalten unerwünscht ist.

Wir bemühen uns als Orga-Team die verschiedenen Bedürfnisse zu berücksichtigen und diese in die Konzeption des Kongresses, in die Formate und Räume einfließen zu lassen. Menschliche, emotionale und freiheitliche Bedürfnisse sind so vielfältig wie das anarchistische Spektrum. Wenn wir was übersehen sagt uns bitte Bescheid und wir versuchen einen Weg zu finden.

Wir freuen uns auf euch!
Die Vorbereiungsgruppe